Revisionssichere Dokumentation
So erstellen Sie mit zuverlässigen Werkzeugen revisionssichere
Betriebsanleitungen, QM-Handbücher und andere Produkt- und
Prozessdokumentationen.
Aufwand und Nutzen
Für Unternehmen ist die Dokumentation von Produkten und Prozessen zu einer Aufgabenstellung geworden, die nicht unerhebliche Ressourcen bindet.
Einige Unternehmen erfüllen daher nur die Mindestanforderungen, die zum Beispiel an die technische Dokumentation oder die Dokumentation von Prozessen wie zum Beispiel der Qualitätssicherung gestellt werden.
Doch in den meisten Fällen übersteigt der Nutzen einer ausführlichen Dokumentation den Aufwand ihrer Erstellung.
»Ohne Dokumentation keine Compliance.«
Auf die technische Dokumentation der eigenen Produkte kann ohnehin kein Unternehmen verzichten, da hier wesentliche Kundenanforderungen erfüllt werden müssen.
Die Dokumentation des internen Qualitätsmanagementsystems spielt vor allem im Rahmen von Zertifizierungen nach ISO 9001 oder anderen Systemen eine zentrale Rolle.
Darüber hinaus müssen auch andere Prozesse wie zum Beispiel das Umweltmanagement (ISO 14001) oder das sozial verantwortliche Handeln eines Unternehmens (ISO 26000) dokumentiert werden.
Die zunehmende Abhängigkeit von IT-Systemen rückt die IT-Sicherheit in den Fokus der Unternehmensdokumentation.
So ist die Dokumentation ein wesentlicher Bestandteil eines Information Security Management System (ISMS)nach ISO/IEC 27001.
Die Vorteile einer guten Dokumentation liegen auf der Hand: Ohne Dokumentation keine Transparenz und keine Compliance.
Darüberhinaus dient die unternehmensinterne Dokumentation dem Wissensmanagement und bildet damit ein unverzichtbares Standbein für die künftige Unternehmensentwicklung.
Digitale Dokumentation in Wiki und CMS
Heutzutage werden Dokumentationen digital erstellt und sowohl in gedruckter als auch in digitaler Form zur Verfügung gestellt.
In der Regel sind mehrere Personen an der Dokumentation beteiligt.
Die konventionelle Erstellung von Dokumentationen mit Hilfe von Textverarbeitungen verliert damit an Bedeutung, da es zumeist nicht sehr sinnvoll ist, Word-Dokumente gemeinsam zu bearbeiten.
Viele Unternehmen nutzen daher ein CMS wie Plone oder ein Wiki in ihrem Intranet, um Dokumentationen zu erstellen.
Für den Ausdruck der Dokumentation können die Daten dann bei Bedarf in druckfähige Formate wie zum Beispiel PDF konvertiert werden.
»CMS: Bequemlichkeit mit hohem Systemaufwand«
Content-Management-Systeme bieten zahlreiche Vorteile.
So kann jeder Mitarbeiter von seinem Arbeitsplatzrechner aus auf die Dokumentation zugreifen und – ein entsprechendes Zugriffsmanagement vorausgesetzt – bei Bedarf die Dokumentation editieren.
So entstehende lebende Dokumente mit stets aktuellem Inhalt.
Eine spezielle Software auf dem Rechner des Mitarbeiters ist bei modernen webgestützten Systemen nicht mehr erforderlich.
Der Nachteil einer solchen Lösung liegt vor allem in ihrer Komplexität.
Content-Management-Systeme sind in der Regel datenbankgestützte Systeme, die gewisse Anforderungen an die Systemadministration stellen.
Sie müssen installiert und gepflegt werden.
Sicherheits-Updates müssen regelmäßig eingespielt werden.
Und die Migration auf ein anderes System ist häufig sehr aufwändig und kostspielig.
Falls im Unternehmen jedoch ein CMS vorhanden ist, bietet sich diese Lösung geradezu an.
Revisionssichere Dokumentation mit Sphinx und Git
Eine leichtgewichtige Alternative bietet die Dokumentationssoftware Sphinx in Kombination mit einer Versionsverwaltung wie Git.
Sphinx ist eine Single-Source-Publishing-Lösung, die aus einfachen Textdateien diverse Ausgabeformate wie HTML und PDF erstellen kann.
Sie können Ihr Qualitätshandbuch mit Sphinx als Website sowie als PDF-Dokument für den Ausdruck erstellen.
Je nach Bedarf können Ihre Kunden und Mitarbeiter auf die QM-Website oder das entsprechende QM-Handbuch zugreifen.

Die Basis der Dokumentaton bilden einfache Textdateien, die mit einem Versionsverwaltungssystem wie Git versioniert werden können.
Grafiken werden in Sphinx mit Hilfe einer einfachen Markup eingebunden.
Git ist ein dezentrales Versionskontrollsystem, das in der IT-Industrie zur Verwaltung von Programmcode entwickelt wurde.
Es ist sehr ausgereift und in seinen Grundfunktionen einfach zu bedienen.
Mit Git können Sie mit einfachsten Mitteln einen revisionssicheren Dokumentationsprozess implementieren.
Wikipedia definiert
Versionsverwaltung
folgendermaßen:
»Eine Versionsverwaltung ist ein System, das zur Erfassung von Änderungen an Dokumenten oder Dateien verwendet wird.
Alle Versionen werden in einem Archiv mit Zeitstempel und Benutzerkennung gesichert und können später wiederhergestellt werden.«
Zur Definition von Revisionssicherheit listet Wikipedia folgende Kriterien auf:
- Ordnungsmäßigkeit
- Vollständigkeit
- Sicherheit des Gesamtverfahrens
- Schutz vor Veränderung und Verfälschung
- Sicherung vor Verlust
- Nutzung nur durch Berechtigte
- Einhaltung der Aufbewahrungsfristen
- Dokumentation des Verfahrens
- Nachvollziehbarkeit
- Prüfbarkeit
Die Ordnungsmäßigkeit einer Dokumentenverwaltung ergibt sich aus ihrem
Zweck. Die Regeln einer ordnungsgemäßen Dokumentation werden von
diversen Normen festgelegt, von denen wir oben bereits einige erwähnt
haben.
»Revisionssichere Single-Source-Lösung«
Die Vollständigkeit aller Textversionen vom ersten Entwurf bis hin zur
finalen Freigabe der Dokumentation ist durch eine Versionsverwaltung
ebenso gesichert wie die Archivierung von Daten, die Sphinx für die
Produktion der Ausgabeformate nutzt. Damit wird auch die technische
Produktion der Unterlagen in digitaler oder gedruckter Form
reproduzierbar.
Ein Versionskontrollsystem bietet auch größeren Schutz vor Veränderung
und Verfälschung, denn die im System gespeicherten Daten können nur mit
erheblichem Aufwand nachträglich verändert oder verfälscht werden, da
die gesamte Veränderungshistorie im System gespeichert ist und die
Integrität der Daten durch Prüfsummen gewährleistet ist.
Sicherung vor Verlust: Daten, die von mehreren Personen in einem
dezentralen Versionskontrollsystem wie Git verwaltet werden, können
nicht so leicht verloren gehen, selbst dann, wenn regelmäßige Backups
unterlassen werden. Denn in Git enthält jede lokale Kopie des
Repositories die vollständigen Informationen des Projekts. Ein zentrales
Repository kann bei einem Crash also jederzeit mit Hilfe der lokalen
Kopie eines Mitarbeiters wiederhergestellt werden.
Nutzung nur durch Berechtigte: Der schreibende und lesende Zugriff auf
das zentrale Repository kann auf einen bestimmten Benutzerkreis begrenzt
werden. Veränderungen am Repository durch berechtigte Personen werden
protokolliert, sodass jederzeit rekonstruierbar ist, wer was geändert
hat. Damit ist auch die Nachvollziehbarkeit gewährleistet, denn die
Versionshistorie speichert zuverlässig, wer wann welche Änderung
vorgenommen hat. In Git können Versionsstände bei Bedarf mit privaten
Zertifikaten (GPG/PGP) signiert werden.
Diese umfassende automatische Protokollierung aller Arbeitsschritte
sowie die Möglichkeit Änderungen durch Kommentare zu erklären,
erleichtert letztendlich auch die Prüfbarkeit der Daten und des
Produktionsprozesses in einer Revision.
»Geringer Installations- und Betriebsaufwand«
Weitere Vorteile von Sphinx und Git sind die einfache Installation und
Wartung des gesamten System. Auf Mitarbeiterrechnern muss lediglich
Standardsoftware installiert werden. Eine minimale
Arbeitsplatz-Installation umfasst das Versionssystem Git und einen
bedienungsfreundlichen Texteditor. Das Dokumentationssystem Sphinx muss
nicht notwendigerweise auf den Rechnern der Autoren installiert werden.
Es reicht, wenn die Generierung der Ausgabeformate auf einem zentralen
Server erfolgt. Die Online-Version der Dokumentation wird als statische
Website realisiert, wofür lediglich ein einfacher Webserver notwendig
ist. Alle Daten liegen in einfacher Textform bzw. als Grafik in
entsprechenden Bildformaten im normalen Dateisystem vor. Eine
Datenbankverwaltung entfällt ebenso wie die Pflege eines aufwändigen
CMS. Bei einem Betriebssystemupgrade ist eine Migration der Daten in der
Regel nicht notwendig. Beim Umzug auf neue Hardware können die Daten
einfach auf den neuen Server kopiert werden.
Der Nachteil dieser Lösung liegt im Schulungsaufwand. Mitarbeiter, die
als Autoren tätig sind, müssen in der Benutzung von Git und Sphinx
geschult werden. Man sollte dabei von einem ein- bis zweitägigen
Schulungsaufwand ausgehen.
Fazit
Unternehmen, die bereits ein CMS in Betrieb haben, sollten evaluieren, ob
sie das System auch für Dokumentationszwecke einsetzen können. Häufig
werden Websites mit Systemen betrieben, die als CMS tituliert werden,
aber nicht immer über die notwendigen Funktionen für
Dokumentationszwecke verfügen. Hier gilt es kritisch zu bleiben und sich
nicht an ein System zu binden, das für andere Zwecke entwickelt wurde.
»CMS oder Sphinx? Das ist hier die Frage!«
Unternehmen, die noch kein leistungsfähiges Intranet-CMS betreiben,
sollten die Sphinx-Variante prüfen. Sie ist mit geringem Aufwand zu
realisieren. Der Schulungsaufwand ist nicht höher als bei einem neu
eingeführten CMS. Der geringe Systemaufwand macht Sphinx+Git außerdem zu
einer idealen Interimslösung. Falls sich das System in der Praxis nicht
bewährt, können Sie später ohne zusätzlichen Aufwand zu einer CMS-Lösung
wechseln. Umgekehrt ist der Aufwand höher.
Unternehmen, die Git oder ein vergleichbares Versionsmanagement ohnehin
nutzen, sollten Sphinx in jedem Fall evalulieren. Da es sich bei Sphinx
im Kern um ein System zur Software-Dokumentation handelt, fügt es sich
harmonisch in die Arbeitsprozesse von Entwicklern ein. Unternehmen, die
überdies eine Code-Hosting-Plattform betreiben, können mit Sphinx ihre
Dokumentation ebenfalls auf dieser Plattform verwalten. Eine solche
Code-Hosting-Plattform ermöglicht sogar die Bearbeitung von Texten
through-the-web, was die Fehlerkorrektur durch Mitarbeiter ohne
Erfahrung mit Sphinx oder Git sehr erleichtert.
Jan Ulrich Hasecke berät Sie gerne bei der Auswahl eines geeigneten
Systems. Hasecke ist Autor des Buches »Software-Dokumentation mit
Sphinx«
und Verfasser des deutschsprachigen
Benutzerhandbuches
für das Enterprise-CMS Plone.
Buchempfehlung
Sphinx ist ein leistungsfähiges Werkzeug für die Dokumentation von Software. Ursprünglich geschrieben, um die Programmiersprache Python zu dokumentieren, entwickelte sich Sphinx in der Python-Community schnell zum Standard.
»ein rundum gelungenes Buch zu diesem Thema, welches sowohl eine gute Einführung bietet als auch später als Nachschlagewerk dienen kann.«
(Jochen Schnelle in ›freies Magazin‹ 11⁄2015)
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