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Code ist Text. Von Entwicklern lernen, heißt siegen lernen

Die meisten Publikationssysteme, die heute verwendet werden, haben eine sehr eindimensionale Sichtweise auf den Publishing-Prozess. Dies ist zumeist der Entstehungsgeschichte des jeweiligen Systems geschuldet. Verlage, Autoren, Natur- und Geisteswissenschaftler sowie publizierenden Institutionen und Organisationen arbeiten daher immer noch mit wenig effizienten Werkzeugen. Dabei stehen seit Jahren bewährte agile Techniken und Methoden aus der IT-Industrie parat, um die Kulturindustrie zu revolutionieren. Man muss sie nur nutzen.

Das Erbe der Schreibmaschine

Textverarbeitungsprogramme wie Word oder LibreOffice stammen noch aus einer Zeit, in der Autoren den Computer als Schreibmaschine nutzten. Der Rechner verhielt sich dabei nicht anders als eine Schreibmaschine und das Endprodukt des Systems war ein ausgedrucktes Manuskript, das an den Verleger weitergegeben und dort wie die alten Schreibmaschinen-Typoskripte weiterverarbeitet wurde. Textverarbeitungsprogramme können ihre Herkunft nicht verleugnen, auch wenn sie mittlerweile mit zahllosen Funktionen aufgemotzt wurden. Im Prinzip hat sich dennoch nicht viel verändert. Zwar drucken Autoren ihre Manuskripte nicht mehr aus, um sie mit der Post zu versenden, aber auch ein per E-Mail versendetes Word-Dokument bleibt ein Manuskript, das mit Hilfe anderer Programme weiterverarbeitet werden muss.

Online macht meist zusätzliche Arbeit

Content-Management-Systeme haben eine andere Geschichte. Sie sind eine Reaktion auf die schnelllebige Welt von Online-Publikationen, in der Aktualität besonders wichtig ist und man redaktionelle Änderungen in Echtzeit vollziehen möchte. Als webbasierte Systeme ermöglichen sie auch das Arbeiten im Team. Aber auch sie haben herkunftsbedingt ihre Schwächen. So muss ein großer Aufwand betrieben werden, um webbasierte CMS in den Produktionsprozess von E-Books und Büchern zu integrieren. Und obwohl es sich bei den CMS um Datenbanksysteme handelt, verfügen nicht einmal alle über anpassbare Workflows und zuverlässige Versionierungssysteme. Die meisten Online-Systeme führen daher nicht zu einer Arbeitserleichterung, sondern vergrößern den Aufwand zusätzlich. Oft werden Online-Systeme daher vorwiegend für öffentlichkeitswirksame Tätigkeiten und nicht für die eigentliche Arbeit am Text eingesetzt.

Beide Traditionslinien, die Textverarbeitungssysteme und die Content-Management-Systeme, haben jedoch keine Antwort auf die Frage, wie ein Textkorpus wissenschaftlich und editorisch angemessen erschlossen werden kann. Sie haben auch keine Lösung für Problemstellungen der verlegerischen Arbeit am Text. Entweder bestärken sie althergebrachte Arbeitsweisen mit Insellösungen, was in der Praxis dazu führt, dass zwischen Autoren, Lektoren und Korrektoren immer noch Word-Dokumente per E-Mail hin- und hergeschickt werden. Oder sie zwingen alle Benutzer dazu, ein oft schwerfälliges und wenig benutzerfreundliches Web-Frontend zu benutzen. Eine zuverlässige Sicherstellung der aktuell gültigen Textgestalt ist in beiden Fällen nur mit unverhältnismäßig hohem Aufwand möglich.

Bereits bei aktuellen Publikationsprojekten ist dieser Mangel an effizienten Werkzeugen ein Ärgernis. Bei der literaturwissenschaftlichen Textsicherung und Textkritik macht sich das Fehlen moderner technischer Hilfsmittel besonders schmerzlich bemerkbar. Warum ist es immer noch nicht selbstverständlich, dass historisch-kritische Ausgaben der deutschen Klassiker im Internet in verarbeitungsfähiger Form verfügbar sind?

Stellt das Publishing vom Kopf auf die Füße!

Eine Lösung für die Probleme im Publishing findet man nur, wenn man verstanden hat, dass die Ineffizienz der Prozesse nicht technisch begründet ist, sondern bildungspolitische und sozio-kulturelle Ursachen hat. Die Technik zur Lösung der Probleme im Publishing ist längst gefunden. Man muss nur die Augen aufmachen und dort suchen, wo sehr viel mit Texten, genauer gesagt mit Quelltexten, mit Code gearbeitet wird. Die Rede ist von dem Programmcode, den Entwickler schreiben. Code ist Text. Und Code muss insbesondere in der arbeitsteiligen Softwareindustrie effizient verwaltet werden. Für die Kulturindustrie bedeutet dies: Von Entwicklern lernen, heißt siegen lernen.

Die Softwareindustrie hat Methoden und Werkzeuge entwickelt, die in der Publizistik erfolgversprechend angewendet werden könnten, wenn die Arbeitsmethoden von Programmierern zu den allgemein akzeptierten Kulturtechniken zählen würden. Leider sind unsere Schulen und Hochschule weit davon entfernt, diese Arbeitsmethoden zur Kenntnis zu nehmen, geschweige denn, sie zu unterrichten. Das ist besonders deshalb so bedauernswert, weil beim Programmieren wie beim Publizieren Texte im Mittelpunkt des Interesses stehen. Softwarecode ist nichts anderes als ein Text in einer besonders formalisierten Sprache. In den letzten beiden Jahrzehnten hat die Softwareindustrie agile Methoden und Techniken entwickelt, um diese Texte in verteilten Teams zu erarbeiten, langfristig zu pflegen und effizient in lauffähige Programme zu übersetzen. Die schreibende Zunft und der publizierende Wissenschaftler könnten sowohl die Methoden als auch die Werkzeuge eins zu eins übernehmen und hätten von heute auf morgen eine zuverlässige und höchst effiziente, kreative und produktionstechnische Arbeitsumgebung.

Die Zeit ist reif dafür, dass Kulturschaffende und Wissenschaftler ihre Vorurteile gegenüber der IT-Industrie ablegen und sich anschauen, mit welchen Werkzeugen Entwickler in der ganzen Welt ihre tägliche Arbeit erledigen. Sobald sie dazu bereit wären, würden sie interessante Entdeckungen machen.

So speichern Entwickler ihre ›Texte‹ mit Hilfe von Versionskontrollsystemen in Software-Repositorien, wodurch die Verwaltung von Textständen systematisch geregelt ist. Firmen wie GitHub, Atlassian oder RhodeCode zeigen mit ihren Code-Hosting-Plattformen, wie man die Arbeit an ›Texten‹ online so organisieren kann, dass verteilte Teams bequem, effizient und zielgerichtet zusammenarbeiten können. Diese Plattformen beherbergen nicht nur die Codebasis, also die Texte, die Entwickler schreiben, sie bieten auch nützliche Werkzeuge für die Behebung von Fehlern und der Verteilung von Aufgaben sowie zur Diskussion der Codequalität. Da Zeit gerade in der Softwarebranche Geld ist, sind die Werkzeuge hochgradig optimiert und helfen Entwicklern in der ganzen Welt, ihre Arbeit schnell und zuverlässig zu erledigen.

Wenn Geistes- und Naturwissenschaftler, Verleger, Schriftsteller und Publizisten diese Kulturtechniken übernähmen, erführe die Kulturindustrie einen mächtigen, fast revolutionären Innovationsschub. Endlich könnte die literarische, die publizistische und die wissenschaftliche Welt von der Agilität der IT-Industrie profitieren und ihre selbstgewählten Grenzen sprengen.

Das ZEN von Pandoc

Da diese Revolution aber leider noch in weiter Ferne liegt, bleibt es zunächst dem Einzelnen überlassen, die mächtigen Werkzeuge, die nur darauf warten, ergriffen zu werden, für den eigenen Gebrauch zu verwenden. In dem Buch ›Das ZEN von Pandoc‹ gibt Jan Ulrich Hasecke einen Vorgeschmack darauf, wie sich das Schreiben und Veröffentlichen verändern könnte. Er stellt praktische und einfach zu benutzende Werkzeuge vor, erklärt Schritt für Schritt die Bedienung und hilft dem Leser mit vielen praktischen Tipps, die ersten Hürden bei der Einarbeitung zu überwinden.

Das Buch wendet sich an Verlage, Universitäten und andere Institutionen, die ein hohes Publikationsaufkommen haben, sowie an Self-Publisher und Autoren, die mit einfachen und zuverlässigen Mitteln Bücher und E-Books produzieren wollen. Es stellt Software-Tools und Methoden vor, mit denen Buchprojekte von der ersten Idee bis zum fertigen Produkt zielsicher gemanagt werden können. Es erklärt, wie man Texte in einfachen Plain-Text-Dateien mit der vereinfachten Markup-Sprache Markdown auszeichnet und anschließend mit dem Dokumentenkonvertierungsprogramm Pandoc in E-Books oder druckreife PDFs umwandelt. Der Leser erfährt, wie er mit ausgereiften Werkzeugen die Produktion automatisieren und den kreativen und technischen Herstellungsprozess mit der Versionskontrolle Git revisionssicher gestalten kann. Das Buch schließt mit praktischen Tipps zum Projektmanagement in verteilten Teams. ›Das ZEN von Pandoc‹ ist als Paperback und als E-Book erhältlich.

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