Texte für Webanwendungen
Am Beispiel des Content-Management-Systems Plone erklärt Jan Ulrich Hasecke, welche besonderen Anforderungen an die Texte von Bedienoberflächen komplexer Webanwendungen gestellt werden.
Webanwendungen werden immer komplexer, doch der Benutzer hat immer weniger Zeit, umfangreiche Handbücher zu lesen, um eine Anwendung effizient zu bedienen. Daher müssen die Anwendungen so weit wie möglich selbsterklärend sein. Dies gelingt einerseits durch eine intuitive Benutzung, andererseits durch integrierte Hilfetexte und eine benutzerorientierte »Beschriftung« der Bedienoberfläche; Letzteres ist Aufgabe eines geschickten Texters.
Deutsche Übersetzung von Plone 3.0
Gemeinsam mit Hanno Schlichting und Hans-Peter Locher hat Jan Ulrich Hasecke während des PIKTipiSprints in Potsdam an der deutschen Übersetzung von Plone 3.0 gearbeitet.
Das populäre und leistungsfähige Content-Management-System Plone verfügt in der neuen Version 3.0 über eine ganze Reihe neuer Funktionen. Daher müssen weit über 300 neue Elemente der Benutzeroberfläche von Plone übersetzt werden. Der Anspruch von Plone ist es, eine selbsterklärende Benutzeroberfläche zu haben. Der Benutzer, vom einem Besucher der Website über den Redakteur bis hin zum Website-Administrator sollen in der Lage sein, eine Plone-Site ohne Handbuch zu bedienen. Auch wenn ein solches Ziel nie völlig zu verwirklichen ist, kann sich der bisher erreichte Status sehen lassen. Plone besitzt eine sehr intuitive Benutzeroberfläche, die leicht zu bedienen ist. Alle wichtigen Funktionen werden in Hilfetexten direkt im Kontext erklärt. Der Benutzer kann in dem Formular, das er gerade geöffnet hat, nachlesen, was er dort tun kann und welche Konsequenzen dies hat. Bereits während eines Übersetzungssprints im Februar dieses Jahres zeigte sich, dass es nicht ausreicht, die von den Programmierern in Englisch formulierten Originaltexte einfach nur gut und sauber zu übersetzen. Häufig setzen die englischen Originaltexte beim Benutzer zu viel Wissen voraus, andererseits sind sie nicht immer ganz glücklich formuliert. Daher war es an vielen Stellen notwendig, die beschreibenden Hilfe- und Erklärungstexte des CMS im Deutschen völlig neu zu formulieren.
Texte für die Bedienungselemente einer Website stellen ganz spezifische Anforderungen. Sie müssen
- inhaltlich und terminologisch konsistent,
- kurz und knapp formuliert sein und
- dem Benutzer genau die Information an die Hand geben, die er für den aktuellen Arbeitsschritt benötigt.
Jan Ulrich Hasecke hat bereits Texte für ganz unterschiedliche, zumeist aber sehr komplexe Webanwendungen entwickelt. Da die Programme in den meisten Fällen Arbeitsabläufe vereinfachen und Arbeitszeit einsparen sollen, müssen sie effizient zu bedienen sein, und dazu ist es unerlässlich, dass der Benutzer klar und eindeutig durch das Programm hindurchgeführt wird. Hier ist neben dem Programmierer und Screendesigner auch der Texter gefragt.
Besonderheiten von Plone
Die Benutzeroberfläche von Plone hat einige Besonderheiten, die man bei der Übersetzung im Auge behalten sollte.
Redundanz
Plone ist an vielen Stellen sehr redundant, der Screenshot zeigt ein typisches Beispiel.

Es handelt sich um einen Teil des Formulars, mit dem man in Plone Regeln hinzufügen kann. Mit einer solchen Regel kann man zum Beispiel festlegen, dass alle Redakteure der Website per E-Mail darüber informiert werden, dass ein Benutzer einen neuen Termin erstellt hat. Das Formular ist Bestandteil von Plone 3.0 und noch nicht übersetzt. Zu sehen ist der englische Originaltext.
Der Aufbau eines solchen Formulars ist in Plone immer gleich. Es hat einen Titel, gefolgt von einem erklärenden Text, der dem Benutzer sagt, worum es hier geht. Anschließend folgt das Formular, das ein Label besitzt, in diesem Falle »Configure rule«. Hier besteht die Gefahr, dass dreimal hintereinander praktisch das Gleiche gesagt wird: in der Überschrift, im Text darunter und im Label des Formulars. Im Formular selbst besitzt jedes Feld einen Namen, hier »Title« und »Description«, sowie einen kurzen blass gedruckten Hilfetext, der schwarz wird, sobald man mit dem Mauszeiger darüber geht. Auch hier besteht, wie man sehen kann, die Gefahr redundante Information zu geben:
- Title
- The title of the rule
Bei der Übersetzung der entsprechenden Einträge sollte man also darauf achten, an den einzelnen Positionen unterschiedliche Informationen zu vermitteln. Erklärende Einleitungstexte und die Hilfetexte sollten keine bloßen Wiederholungen des Titels »Add Rule« oder des Namens »Title« enthalten, sondern hilfreiche zusätzliche Informationen enthalten. So wäre es hier sinnvoll, dem Benutzer zu erklären, was der »Title« und die »Description« einer Regel leisten sollen, wie man sie sachgemäß formuliert, damit man später nicht durch missverständliche oder nichtssagende Titel und Beschreibungen in der Benutzung des Portals behindert wird.
Hier wird deutlich, dass derjenige, der die Texte für eine Benutzeroberfläche erstellt, nicht nur das Programm sehr gut kennen, sondern auch mögliche Fehler in der Bedienung vorwegnehmen und durch entsprechende Hinweise im Text möglichst ausschalten muss. Bei Plone ist dies wenigstens in der deutschen Übersetzung bisher ganz gut gelungen. Nun gilt es, im Zuge der Übersetzungsarbeit für die Version 3.0, dieses Prinzip auch bei den neuen Funktionen durchgängig anzuwenden.


