Vorwort

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Realismuskonzept in Krzysztof Kieslowskis Dekalog. Was dabei der Begriff Realismus bedeutet, ist nicht selbstverständlich; die Meinungen darüber, was realistisch sei und was nicht, gehen im Gegenteil weit auseinander. Ich werde deshalb zunächst in Realismus als moralischer Begriff in Theorie und Praxis klären, welche konstanten Elemente der Begriff Realismus beinhaltet, um somit einen zwar allgemeinen aber gültigen Vorbegriff von Realismus zu bestimmen. Um die nationalen Voraussetzungen, unter denen Kieslowski sich entwickelt hat, besser zu verstehen, wird Realismus im polnischen Film einen kurzen Überblick über die polnische Filmgeschichte geben, insoweit sie Affinität zum Realismus zeigt. In Kieslowskis Blick auf die Wirklichkeit steht die filmische Laufbahn Kieslowskis selbst bis hin zum Dekalog im Zentrum, wobei ich sowohl erste Spezifika seines Realismuskonzeptes, als auch die Komplexität seines Filmverständnisses darstellen werde. Wichtige methodische Fragen zur Klärung des Realismusproblems werden in Der Blick als tertium comparationis diskutiert. Dabei wird der Blick als zentrale und vielseitig anwendbare Kategorie der Analyse vorgestellt. Aufbauend auf diesen Ergebnissen komme ich in Analyse der Blickstrategien im Dekalog zum eigentlichen Kern dieser Arbeit: zur quantitativ­statistischen Analyse von Blickstrategien im Dekalog. Diese Untersuchung soll die besondere Wichtigkeit von Blickstrategien für den Dekalog belegen sowie die Grundlagen für die nachfolgenden Interpretationen und Einzelanalysen schaffen. Diese detaillierten Untersuchungen erfolgen in Zehn Versuche über den Dekalog. Dabei soll das Realismusproblem im Hinblick auf den Dekalog anhand von Interpretationsversuchen einzelner Folgen jeweils konkret betrachtet werden. An dieser Stelle sei auf die umfangreichen Sequenzlisten verwiesen, welche die Grundlagen der quantitativen Analyse beinhalten. Auf diese Listen wird an vielen Stellen dieser Arbeit Bezug genommen; sie ermöglichen es, die diskutierten Sequenzen schnell aufzufinden. Den Abschluß der Arbeit bilden in Schlußbemerkungen einige Anmerkungen, die nicht nur die wichtigsten Ergebnisse zusammenfassen, sondern auch einige noch nicht beachtete Aspekte zur Sprache bringen.

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