"Ziemlich lange fürchteten wir die Größe der Zehn Gebote. [...] Hatten wir das Recht, ein so universales und ernsthaftes Thema zu berühren, das für viele Nationen, obwohl sie es täglich mißachten, ein Heiligtum darstellt? [...] Die Angst verging uns, als wir plötzlich und klar begriffen, daß alle Dichter, Maler, Autoren und Filmemacher - vor uns und nach uns - sich mit dem gleichen Problem auseinandersetzen. Begehrte Shakespeares Richard III. nicht etwas, das ihm nicht gehörte? Die Söhne des alten Karamasow hatten keine besonderen Gründe, ihren Vater zu ehren, und Raskolnikow hatte gar keine Gründe, die Alte zu töten. Dostojewski beobachtete seine Helden sehr genau, bemüht, sie zu verstehen. Breughel malte die Geizigen und die Diebe, und Woody Allen ließ kaum ein fremdes Bett aus. "Ahnliches gilt für zweitrangige Krimis und drittklassige Melodramen; es gilt für Beethoven, der in ein und derselben Symphonie Gott verehrte und in Frage stellte. Es gilt für alle, die das Leben beschreiben, eine Laune oder den Zustand der Seele, und wir haben uns in die Reihe der Beschreiber gestellt."
Krzysztof Kieslowski
und Krzysztof Piesiewicz