Zusammenfassung der Ergebnisse

Die Analyse hat ergeben, daß, bezogen auf den Gesamtdekalog, blickstrategische Sequenzen von der Anzahl gesehen ein Viertel aller Sequenzen ausmachen. Zeitlich nehmen sie 24% des Gesamtdekalogs in Anspruch. Die Bedeutung dieser Sequenzen ist an signifikanten Stellen noch höher. Der Blick ist, das ergibt sich aus den hier aufgeführten Zahlen, nicht nur aus Gründen, die ich in Der Blick als tertium comparationis diskutierte, sondern auch aufgrund seiner quantitativen Bedeutung, im Hinblick auf den Dekalog, ein geeignetes Mittel, eine differenzierte Realismusdiskussion zu führen.

Der Dekalog ist stark dialogorientiert, denn ein Drittel der Spielzeit im Dekalog wird durch ca. ein Fünftel aller Sequenzen bestritten. Dialoge treten häufig auf und sind dann zumeist recht lang, was vermutlich daran liegt, daß sie das bedeutendste Medium zwischenmenschlicher Interaktion sind.

Die Anzahl der Objektiven­Sequenzen ist natürlich mit 40% hoch, doch ihre Bedeutung schrumpft an wichtigen Stellen zum Teil erheblich. Auch ihre zeitliche Dauer ist geringer als ihre Anzahl, woraus folgt, daß sie zwar zahlreich, aber zumeist nur sehr kurz sind.

Leider liegen für Filme anderer Regisseure keine vergleichbaren Analysen vor, so daß eine Bewertung von Kieslowskis blickstrategischer Montage nur aus sich selbst heraus geleistet werden kann. Die Vermutung sei jedoch erlaubt, daß kaum ein moderner Regisseur eine solch konsequent blickstrategisch denkende Montagetechnik und Erzählweise aufweist wie Kieslowski.

Mit diesem Zahlenmaterial und der vollständigen Segmentierung aller Dekalog­Folgen als Basis, kommt es nun darauf an, in Einzelanalysen Aspekte eines inhärenten Realismuskonzeptes zu formulieren. Die Einheit der einzelnen Folge soll dabei unangetastet bleiben.

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