Definition der Sequenzen und ihrer narrativen Funktionen

Die Sequenztypen

Objektive:
Eine Montagesequenz ist dann objektiv, wenn die Kamera ein Geschehen von einem Kamerastandpunkt aus verfolgt, der nicht durch den Blick einer Figur motiviert ist. Die Blicke der handelnden Personen haben keine narrative Funktion.
Objektive­mit­Blick(thematisierung):
In einer objektiven Sequenz findet eine Blickthematisierung statt, wenn die objektive Kamera eine Figur zeigt, die auf etwas innerhalb oder außerhalb der Einstellung blickt und dieser Blick eine gewisse Bedeutung für den Ablauf oder das Verständnis der Narration hat, oder zur Charakterisierung der Figur dient.
Subjektive:
Eine Montagesequenz ist subjektiv, wenn die Kamera den Blick einer Figur wiedergibt. Eine Subjektive kann nur als solche bestimmt werden, wenn ihre Subjektivität durch eine vorhergehende oder folgende Objektive oder Schuß/Gegenschuß­Sequenz enthüllt wird.
Objektiv­subjektive / subjektiv­objektive Sequenz:
Wenn die Kamera von der objektiven in die subjektive Perspektive wechselt, liegt eine Objektiv­Subjektive, wechselt sie von der subjektiven in die objektive eine Subjektiv­Objektive Montagesequenz vor.
Schuß/Gegenschuß:
Diese Montageform kann als klassische Methode zur Auflösung von Dialogpassagen im Film gelten. In der Schuß/Gegenschuß­Sequenz werden abwechselnd zwei oder mehrere Personen gezeigt, die miteinander sprechen. Die Achse der Kameraperspektive ist dabei nicht parallel zur Blickachse der Figuren, sondern sie schneidet diese in einem zumeist flachen Winkel. Oft geht diese Sequenz einher mit Nahaufnahmen der Sprechenden, wodurch die Identifikationsmöglichkeit erhöht und die Aufmerksamkeit des Zuschauers gesteigert werden können.

Die narrativen Funktionen

Zentralfunktion:
Eine Sequenz ist zentral, wenn sie für die Handlung konstituierende Bedeutung hat. Zentrale Sequenzen sind wesentlich für das Verständnis der Narration. Die ausschlaggebenden Elemente der Haupthandlung sind in zentralen Sequenzen enthalten. Außerdem werden Stellen als zentral markiert, die für das Verständnis der Handlungsweisen der Figuren von besonderer Bedeutung sind. Deshalb kommt es bei der Markierung von Sequenzen zu Überschneidungen mit der charakterisierenden Funktion.
Turning­Point:
Der Turning­Point, der Wendepunkt, bezeichnet die Stelle(n) im Film, von wo aus die Narration eine neue, andere Richtung nimmt, oder an denen sich unser Verständnis von den Figuren und ihrer Handlungsmotive grundlegend verändert.
Charakterisierungsfunktion:
Eine Sequenz übernimmt dann die Funktion der Charakterisierung einer Figur, wenn Handlung und Dialog der Sequenz dazu dienen, eine Figur psychologisch zu charakterisieren, um Elemente der Zentralhandlung psychologisch zu motivieren oder psychologische Veränderungen der Figuren anzuzeigen. Es treten hierbei Überschneidungen zur Zentralfunktion auf, da wichtige charakterliche Eigenschaften nur im Vollzug der Haupthandlung offenbar werden.
Thematisierende Funktion:
Eine Sequenz hat thematisierende Funktion, wenn in ihr die zentralen moralischen Probleme oder Fragestellungen des Films mit beliebigen filmischen Mitteln thematisiert werden.
Personenetablierungsfunktion:
Eine Sequenz hat die Funktion der Personenetablierung, wenn sie dazu dient, einen Hauptakteur in die Narration einzuführen.
Ortswechsel­Funktion:
Eine Sequenz, die dazu dient, einen Wechsel des Handlungsortes zu kommunizieren, wird mit der \linebreak Funktion des Ortswechsels markiert. Mit diesen Sequenzen sind zum Beispiel die typischen Übergänge gemeint: Beispiel: Ein Mann steigt ins Auto und fährt los. Schnitt. Der Mann steigt aus und betritt ein Haus.
Suspense­Funktion:
Eine Sequenz erfüllt die Suspense­Funktion, wenn sie zur Erzeugung von Spannung dient. Es wird nicht danach unterschieden, mit welchen Methoden dieses Ziel erreicht wird.
Episodische Funktion:
Eine Sequenz ist dann episodisch, wenn ihre Narration weitgehend unabhängig von der zentralen Handlung des Films ist und mit ihr in keinem narrativen Zusammenhang steht. Nichtsdestotrotz kann sie kommentierende Funktion zur Haupthandlung besitzen, oder mit dieser in einem thematischen Zusammenhang stehen.

Während die Zuordnung im Falle der Blick­Sequenzen sich relativ einfach gestaltet, ergeben sich bei einigen narrativen Funktionen zum Teil erhebliche Interpretationsschwierigkeiten. Was erzeugt Spannung? An welcher Stelle wird welches Problem thematisiert? Was ist eine Episode? Eine Analyse, die von einer Person durchgeführt wird, muß in solchen Fällen subjektiv bleiben. Eine graduelle Objektivität wäre bei diesen Problemfällen nur durch intersubjektives Vorgehen zu erreichen. Es wurde versucht, etwaige Fehler, so weit es eben geht, auszuschließen.

Zur Startseite